melissa staniObwohl sich bei mir das Sprichwort, wonach der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, bewahrheitet hat, ist mein Beruf für eine junge Frau wie mich doch ungewöhnlich: Bereits mit 20 Jahren war ich damals die jüngste und wohl auch nur eine der wenigen Kunstschmiede-Meisterinnen Österreichs.

Ich bin im Sulmtal, das als Tal der Schmiede bekannt ist, aufgewachsen und natürlich von meiner Umgebung geprägt und inspiriert worden. Hier haben unsere Vorfahren bereits zur Hallstattzeit zwischen den Weinbergen Erz geschürft, es zu Roheisen verhüttet und daraus wahre Kunstwerke geschaffen. Ich bewundere es, wie sie das damals mit einfachsten Mitteln, aber großem Geschick und Wissen geschafft haben.

Meie Werdegang
Und trotzdem war es doch eher Zufall, dass ich mich für diesen interessanten und abwechslungsreichen Beruf entschieden habe. Eigentlich wollte ich ja Malerin werden, aber dann fand ich während meiner Zeit an der Polytechnischen Schule in Leibnitz für die beruflichen Schnuppertage keinen Platz bei einem Maler oder einer Malerin. Und so habe ich eben bei meinem Vater in der Keltenschmiede in Gauitsch die obligatorischen Schnuppertage verbracht.
Nach der Pflichtschule habe ich bei meinem Vater und an der Berufsschule Mureck eine dreieinhalbjährige Fachausbildung zum Kunstschmied absolviert. Meine kreative Seite und Stärke kam schon in sehr jungen Jahren in Zeichnungen zum Ausdruck. Bald schon lodernde das Feuer der Leidenschaft für das kreative Handwerk der Schmiedetechnik in mir.
Dann ging es mit meiner beruflichen Karriere steil bergauf. Dass mir das Talent für das Formen des rund 1300 Grad Celsius heißen Eisens in die Wiege gelegt worden war, erkannte ich bereits bei meiner Lehrabschlussprüfung, die ich mit Auszeichnung ablegt habe. Dafür ehrte mich die Wirtschaftskammer Steiermark mit dem „Star of Styria 2010".
Es folgte der Besuch der Unternehmer- und Meisterschule und schließlich die Meisterprüfung für das Handwerk Metalltechnik für Schmiede und Fahrzeugbau, wofür ich einen weiteren „Star of Styria" der Wirtschaftskammer Steiermark erhielt.

Leidenschaft und Berufung
An die körperlichen Anstrengungen des Berufs gewöhnt man sich auch als Frau rasch. Der Schmiedeberuf verlangt viel Feingefühl und Geduld, bis aus einem Eisenstück ein kunstvolles Unikat entsteht. Die männlichen Teilnehmer des Meisterkurses hatten mit mir als einzige Frau keine Berührungsängste und akzeptierten mich rasch als Kollegin.
Ohne meinen Vater wäre ich handwerklich wohl nicht so gut geworden. Er war die treibende Kraft, dass ich mich so angestrengt habe. Es kommt nämlich ganz besonders auf den Lehrherrn an, ob man in dem Beruf gut wird. Er hat mir nicht nur alles beigebracht, sondern auch verstanden, mir die Freude am Beruf zu vermitteln.

Die Kunstschmiedetechnik gibt mir die Möglichkeit, meinen Gedanken und Entwürfen Leben einzuhauchen. Es macht mich stolz, zu sehen, wie aus einem anfangs noch klobigen, rohen Material kreative Kunstwerke entstehen, die meine Vorstellungswelt für andere sichtbar machen. Zunächst möchte ich mir in der „Keltenschmiede" meines Vaters entsprechendes Praxiswissen aneignen. Die handwerkliche und designerische Grundausbildung habe ich ja bereits mit der Meisterprüfung erfahren.

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